Stand: 1. November 2026 · Verantwortlich: Niclas Baldus, Baldux GmbH
Was ist der Meldebestand?
Der Meldebestand ist die Bestandsmenge, bei der ein Artikel nachbestellt werden muss, damit die neue Lieferung eintrifft, bevor der Sicherheitsbestand angegriffen wird. Die Formel lautet: Meldebestand = durchschnittlicher Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit in Tagen + Sicherheitsbestand.
Andere Namen dafür sind Bestellpunkt oder Bestellbestand. Das Verfahren dahinter heißt Bestellpunktverfahren: Es wird nicht zu festen Terminen bestellt, sondern immer dann, wenn der Bestand den Meldebestand erreicht. Die Gegenform ist das Bestellrhythmusverfahren, bei dem in festen Abständen bestellt und die Menge jeweils angepasst wird.
Ein gut gesetzter Meldebestand verhindert zwei teure Fehler zugleich. Ist er zu niedrig, kommt die Ware zu spät. Aufträge bleiben liegen oder müssen mit Eilfracht gerettet werden. Ist er zu hoch, wird zu früh bestellt, der Bestand wächst, und Kapital bleibt im Lager gebunden. Wie gut Ihre Meldebestände sitzen, zeigen Lagerkennzahlen wie Reichweite und Lieferbereitschaftsgrad.
Alle Zahlen in den Rechenbeispielen dieses Ratgebers sind frei gewählt und dienen nur dazu, den Rechenweg zu zeigen.
Meldebestand: Formel mit Rechenbeispiel
Für die Berechnung brauchen Sie drei Werte: wie viel im Schnitt je Tag verbraucht wird, wie lange die Wiederbeschaffung dauert und wie groß der Sicherheitsbestand sein soll.
Beispiel: Ein Ersatzteil wird im Schnitt mit 20 Stück je Arbeitstag verbraucht. Vom Bestellen bis zur Einlagerung vergehen 8 Arbeitstage. Als Sicherheitsbestand sind 60 Stück festgelegt. Der Meldebestand liegt damit bei 20 × 8 + 60 = 220 Stück.
Sinkt der Bestand auf 220 Stück, wird bestellt. In den 8 Tagen bis zur Lieferung werden voraussichtlich 160 Stück verbraucht. Wenn alles nach Plan läuft, trifft die neue Ware ein, wenn der Bestand bei 60 Stück angekommen ist, also genau beim Sicherheitsbestand. Der Puffer bleibt unangetastet und fängt nur Abweichungen auf.
Sicherheitsbestand berechnen
Der Sicherheitsbestand ist der Puffer für das Unvorhergesehene: ein Lieferant liefert später, ein Großauftrag zieht mehr Ware als üblich, oder bei der Kontrolle fallen Teile durch. Er soll im Normalfall nicht verbraucht werden.
Für den Alltag reichen zwei einfache Formeln. Die erste rechnet mit Sicherheitstagen: Sicherheitsbestand = durchschnittlicher Tagesverbrauch × Sicherheitstage. Bei 20 Stück je Tag und 3 Tagen Puffer sind das 60 Stück. Die zweite berücksichtigt Verbrauchsspitzen: Sicherheitsbestand = (höchster Tagesverbrauch − durchschnittlicher Tagesverbrauch) × Wiederbeschaffungszeit. Bei einem Spitzenverbrauch von 26 Stück, einem Schnitt von 20 Stück und 8 Tagen Wiederbeschaffungszeit ergeben sich 6 × 8 = 48 Stück.
Es gibt auch statistische Verfahren, die Schwankungen von Verbrauch und Lieferzeit über eine Standardabweichung und einen gewünschten Servicegrad einrechnen. Sie lohnen sich vor allem bei wichtigen Artikeln mit stark schwankendem Bedarf.
Meldebestand, Mindestbestand und Sicherheitsbestand: die Unterschiede
Die drei Begriffe werden oft durcheinander verwendet. In den meisten Lehrbüchern und Unternehmen gilt diese Abgrenzung. Klären Sie im eigenen Haus, welcher Begriff was meint, sonst rechnen zwei Abteilungen mit verschiedenen Werten.
- ✓Meldebestand — Der Bestand, bei dem bestellt wird. Er enthält den erwarteten Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit und den Sicherheitsbestand.
- ✓Sicherheitsbestand — Der Puffer gegen Verzögerungen und Mehrverbrauch. Er soll im Normalfall nicht angegriffen werden.
- ✓Mindestbestand — Häufig gleichbedeutend mit dem Sicherheitsbestand, auch eiserner Bestand genannt. Manche Unternehmen setzen ihn etwas niedriger als letzte Grenze, die nur mit Freigabe unterschritten werden darf.
- ✓Höchstbestand — Die Menge, die das Lager für einen Artikel höchstens aufnehmen soll. Oft gerechnet als Sicherheitsbestand plus Bestellmenge.
Optimale Bestellmenge nach der Andler-Formel
Der Meldebestand sagt, wann Sie bestellen. Die optimale Bestellmenge sagt, wie viel. Sie gleicht zwei Kosten gegeneinander aus: Große Bestellungen sparen Bestellkosten, binden aber mehr Kapital im Lager. Kleine Bestellungen halten den Bestand niedrig, verursachen aber häufiger Bestellkosten.
Die bekannteste Formel ist die Andler-Formel: Optimale Bestellmenge = Wurzel aus [(200 × Jahresbedarf × Bestellkosten je Bestellung) ÷ (Einstandspreis je Stück × Lagerhaltungskostensatz in Prozent)].
Beispiel: Der Jahresbedarf liegt bei 2.400 Stück, jede Bestellung kostet 50 € an Aufwand, der Einstandspreis beträgt 10 € und der Lagerhaltungskostensatz 20 Prozent. Gerechnet wird die Wurzel aus [(200 × 2.400 × 50) ÷ (10 × 20)], also aus 24.000.000 ÷ 200 = 120.000. Das ergibt rund 346 Stück, gerundet auf die übliche Verpackungseinheit vielleicht 350 Stück. Der Höchstbestand läge dann bei 60 + 350 = 410 Stück.
Grenzen der optimalen Bestellmenge
Die Andler-Formel geht von Annahmen aus, die im Alltag selten ganz zutreffen. Nutzen Sie das Ergebnis deshalb als Richtwert, nicht als feste Vorgabe.
- ✓Der Bedarf ist über das Jahr gleichmäßig. Saisonware passt schlecht dazu.
- ✓Preise sind fest. Staffelpreise und Mengenrabatte des Lieferanten fehlen in der Formel.
- ✓Lagerplatz und Budget sind unbegrenzt.
- ✓Mindestbestellmengen und Verpackungseinheiten spielen keine Rolle.
- ✓Bestellkosten und Lagerhaltungskostensatz sind bekannt. In der Praxis sind beide oft nur geschätzt.
Wiederbeschaffungszeit richtig ansetzen
Die Wiederbeschaffungszeit ist mehr als die Lieferzeit des Lieferanten. Sie reicht vom Moment, in dem der Meldebestand erreicht ist, bis die Ware geprüft und eingelagert verfügbar ist. Dazu gehören die Zeit, bis jemand den Bedarf bemerkt und die Bestellung auslöst, die Bearbeitung beim Lieferanten, der Transport, der Wareneingang mit Prüfung und die Einlagerung.
Wer nur die Lieferzeit aus dem Angebot ansetzt, rechnet den Meldebestand zu niedrig. Schauen Sie deshalb auf die tatsächlichen Zeiten der letzten Bestellungen. Wenn Wareneingänge mit Datum der Bestellung und Datum der Einlagerung erfasst sind, lässt sich die echte Wiederbeschaffungszeit je Lieferant einfach ablesen.
Ein Beispiel: Der Lieferant nennt 5 Arbeitstage Lieferzeit. Bis die Bestellung tatsächlich hinausgeht, vergeht im Schnitt ein Tag. Wareneingang und Prüfung brauchen einen weiteren, die Einlagerung einen halben. Zusammen sind das 7,5 Arbeitstage. Weil die Lieferzeit in den letzten Monaten zudem zweimal um einen Tag überschritten wurde, rechnen Sie realistisch mit 8 Arbeitstagen. Mit 5 Tagen gerechnet läge der Meldebestand im Beispiel oben bei 20 × 5 + 60 = 160 Stück statt 220. In den tatsächlichen 8 Tagen würden aber 160 Stück verbraucht, und der Sicherheitsbestand wäre bei jeder Lieferung aufgebraucht.

Typische Fehler beim Meldebestand
Die Formel ist einfach. Die meisten Fehler entstehen bei den Werten, die man einsetzt, und dabei, dass sie nicht gepflegt werden.
- ✓Der Meldebestand wird einmal festgelegt und nie an veränderten Verbrauch angepasst.
- ✓Der Verbrauch wird aus einem Monat mit Sondereffekten abgeleitet.
- ✓Offene Bestellungen werden nicht mitgezählt, sodass doppelt bestellt wird.
- ✓Reservierte Mengen für bestätigte Aufträge gelten noch als verfügbar.
- ✓Der Buchbestand weicht vom tatsächlichen Bestand ab, weil Abgänge zu spät gebucht werden.
- ✓Niemand bekommt mit, dass der Meldebestand erreicht ist, weil die Prüfung von Hand in einer Liste erfolgt.
Vom Rechenblatt zum Bestellvorschlag
Viele Unternehmen rechnen Meldebestände in einer Tabelle und prüfen die Bestände in regelmäßigen Abständen von Hand. Das geht, solange es wenige Artikel sind. Mit wachsender Zahl an Artikeln und Lieferanten wird die Prüfung lückenhaft, und Fehlmengen fallen erst auf, wenn ein Auftrag nicht geliefert werden kann.
Besser ist es, wenn der Meldebestand dort berechnet wird, wo auch die Bestände geführt werden. Dann löst jede Lagerbewegung die Prüfung aus, und wer einkauft, sieht einen Bestellvorschlag statt einer Zahlenkolonne. Entscheidend bleibt der Mensch: Er prüft den Vorschlag, passt die Menge an und gibt die Bestellung frei.
Disposition mit XGait
XGait ist ein Framework für Unternehmenssoftware nach Maß. Daraus entsteht ein ganzes ERP, eine Warenwirtschaft als Speziallösung oder eine Ergänzung zu Ihrem bestehenden System. Für die Disposition richten wir Artikel, Lager, Lagerbewegungen und Bestellungen genau so ein, wie Sie einkaufen.
Meldebestand und Sicherheitsbestand werden Felder am Artikel, berechnet als Formel aus Verbrauch und Wiederbeschaffungszeit oder als gepflegter Wert. Rollups fassen die Lagerbewegungen zusammen. Wie daraus Bestellvorschläge entstehen und wer benachrichtigt wird, legen wir mit Ihnen in der Prozessaufnahme fest. Bestellt wird erst, wenn ein Mensch freigibt. Was Ihr Ablauf braucht, bauen wir. Was die Plattform noch nicht kann, ergänzen wir.
Ihr Weg zu Bestellvorschlägen, die zu Ihrem Lager passen
Wie Bestellvorschläge zu Ihren Artikeln und Lieferzeiten passen, zeigen wir im Erstgespräch. Danach nehmen wir Ihre Abläufe in Einkauf und Lager auf, und Sie erhalten einen Umsetzungsvorschlag mit Festpreis. Wir bauen Ihr System maßgeschneidert, Sie testen mit echten Artikeln und geben frei.
