Stand: 1. November 2026 · Verantwortlich: Niclas Baldus, Baldux GmbH
Was ist Kommissionierung?
Kommissionierung ist das Zusammenstellen bestimmter Artikel in der richtigen Menge aus dem Lager, passend zu einem Auftrag. Aus dem Gesamtbestand wird so eine Lieferung für einen Kunden, eine Filiale oder eine Fertigungslinie.
Das Wort kommt von Kommission, also Auftrag. Wer kommissioniert, arbeitet einen Auftrag Position für Position ab: Artikel finden, Menge entnehmen, bestätigen, ablegen. Im Englischen heißt das Picking, deshalb tauchen Begriffe wie Pick, Pick-Liste oder Pick-by-Scan auch im Deutschen auf.
Kommissionierung ist oft der aufwendigste Teil der Lagerarbeit. Sie entscheidet darüber, ob die richtige Ware rechtzeitig beim Kunden ankommt. Fehler fallen oft erst beim Empfänger auf und kosten dann Rücksendung, Nachlieferung und Vertrauen.
Ablauf der Kommissionierung vom Auftrag zum Versand
Der Ablauf ist in den meisten Lagern ähnlich, unabhängig davon, ob mit Papier oder mit Scanner gearbeitet wird. Je klarer jeder Schritt einen Status hat, desto besser lässt sich nachvollziehen, wo ein Auftrag gerade steht.
- ✓Auftrag freigeben: Der Auftrag ist geprüft, die Ware verfügbar, die Kommissionierung kann beginnen.
- ✓Kommissionierschein erzeugen: Positionen mit Artikel, Menge und Lagerplatz, sortiert nach dem Weg durch das Lager.
- ✓Entnehmen: Artikel am Lagerplatz holen und die Menge bestätigen, per Haken oder per Scan.
- ✓Kontrollieren: Menge und Artikel prüfen, Abweichungen festhalten.
- ✓Verpacken: Ware in Karton oder auf Palette, Lieferschein beilegen.
- ✓Versandbereit melden: Versandlabel drucken, Sendung übergeben, Auftrag auf versandt setzen.
Kommissionierarten: auftragsorientiert und serienorientiert
Kommissionierarten unterscheiden sich darin, ob ein Auftrag am Stück oder mehrere Aufträge gemeinsam abgearbeitet werden, und ob eine Person oder mehrere parallel daran arbeiten. Welche Art passt, hängt von der Zahl der Aufträge, der Zahl der Positionen je Auftrag und der Größe des Lagers ab.
- ✓Auftragsorientiert seriell — Eine Person arbeitet einen Auftrag vollständig ab, Position für Position durch das ganze Lager. Einfach und übersichtlich, bei großen Lagern aber mit langen Wegen.
- ✓Auftragsorientiert parallel — Der Auftrag wird nach Lagerzonen aufgeteilt. Mehrere Personen sammeln gleichzeitig ihren Teil, danach werden die Teile zusammengeführt. Das spart Zeit bei großen Aufträgen.
- ✓Serienorientiert parallel — Mehrere Aufträge werden zu einer Serie gebündelt. Gleiche Artikel werden in einem Gang für alle Aufträge entnommen und anschließend auf die Aufträge verteilt. Sinnvoll bei vielen kleinen Aufträgen mit ähnlichen Artikeln.
- ✓Einstufig und zweistufig — Einstufig wird direkt für den Auftrag entnommen. Zweistufig wird erst gesammelt und in einem zweiten Schritt nach Aufträgen sortiert, wie bei der serienorientierten Kommissionierung.
Mann-zur-Ware oder Ware-zum-Mann
Neben der Art unterscheidet man, wer sich bewegt. Beim Prinzip Mann-zur-Ware, auch Person-zur-Ware genannt, geht die kommissionierende Person zu den Lagerplätzen. Das ist das häufigste Verfahren, weil es außer Regalen und einem Wagen kaum Technik braucht. Der Nachteil sind die Wege, die oft den größten Teil der Zeit ausmachen.
Beim Prinzip Ware-zum-Mann kommt die Ware zum festen Arbeitsplatz, etwa über Fördertechnik oder ein automatisches Kleinteilelager. Die Wege fallen weg, dafür sind die Anschaffungskosten hoch. Das lohnt sich vor allem bei sehr vielen Aufträgen und gut planbarem Sortiment.
Beim Prinzip Mann-zur-Ware lohnt es sich, die Wege zu planen. Bei der Schleifenstrategie läuft die Person in einer Schleife durch alle Gänge, bei der Stichgangstrategie geht sie nur in die Gänge, in denen etwas zu holen ist, und kehrt am Ende um. Schon ein Kommissionierschein, der in Wegreihenfolge sortiert ist, spart spürbar Zeit. Noch mehr bringt es, häufig gebrauchte Artikel in die Nähe des Packplatzes zu legen.
Eine Sonderform ist das Pick-Pack-Verfahren. Dabei wird direkt in den Versandkarton kommissioniert, ein eigener Packschritt entfällt. Das spart Handgriffe, setzt aber voraus, dass die Kartongröße vorher feststeht und die Kontrolle während der Entnahme erfolgt.
Kommissionierschein, Kommissionierliste und Scan
Der Kommissionierschein, auch Pick-Liste oder Kommissionierliste genannt, ist die Arbeitsanweisung für die Entnahme. Er enthält je Position den Artikel, die Menge, den Lagerplatz und oft eine Auftragsnummer als Barcode. Gut ist ein Schein, der nach dem Weg durch das Lager sortiert ist, nicht nach der Reihenfolge im Auftrag.
Wie die Entnahme bestätigt wird, beschreiben die Pick-Verfahren:
- ✓Pick-by-Paper: Gedruckte Liste, Abhaken von Hand, Rückmeldung später im System.
- ✓Pick-by-Scan: Lagerplatz und Artikel werden mit Handscanner oder Kamera gescannt, das System prüft direkt.
- ✓Pick-by-Light: Leuchtanzeigen am Regal zeigen Platz und Menge an.
- ✓Pick-by-Voice: Die Anweisungen kommen über ein Headset, bestätigt wird per Sprache.
Fehler in der Kommissionierung vermeiden
Die häufigsten Kommissionierfehler sind falscher Artikel, falsche Menge, fehlende Position und vertauschte Aufträge. Die meisten lassen sich mit wenigen Maßnahmen deutlich verringern.
- ✓Jeden Lagerplatz eindeutig beschriften und mit Barcode versehen.
- ✓Ähnliche Artikel nicht direkt nebeneinander lagern.
- ✓Entnahme per Scan bestätigen statt nur abzuhaken.
- ✓Abweichungen direkt melden, statt sie später zu korrigieren.
- ✓Schnelldreher nah an den Packplatz legen, damit Wege kurz bleiben.
- ✓Buchbestand und tatsächlichen Bestand regelmäßig abgleichen, damit der Schein nicht auf einen leeren Platz schickt.
Kennzahlen der Kommissionierung
Mit wenigen Kennzahlen sehen Sie, ob Ihre Kommissionierung zuverlässig und wirtschaftlich läuft. Die Zahlen in den Beispielen sind frei gewählt.
- ✓Kommissionierleistung = kommissionierte Positionen ÷ Arbeitsstunden. Beispiel: 480 Positionen in 8 Stunden ergeben 60 Positionen je Stunde.
- ✓Kommissionierfehlerquote = fehlerhafte Positionen ÷ alle Positionen × 100. Beispiel: 6 Fehler bei 1.200 Positionen ergeben 0,5 Prozent.
- ✓Durchlaufzeit = Zeit von der Freigabe des Auftrags bis zur Versandbereitschaft.
- ✓Kosten je Position = Kosten der Kommissionierung ÷ kommissionierte Positionen.
Kommissionierkennzahlen richtig nutzen
Kennzahlen der Kommissionierung helfen nur, wenn Sie sie gemeinsam betrachten. Eine hohe Kommissionierleistung ist wenig wert, wenn gleichzeitig die Fehlerquote steigt. Umgekehrt kann eine niedrige Fehlerquote bedeuten, dass sehr gründlich, aber langsam gearbeitet wird. Setzen Sie deshalb für Leistung, Fehler und Durchlaufzeit je einen Zielwert und beobachten Sie, wie sich Änderungen am Ablauf auf alle drei auswirken.
Voraussetzung ist, dass jede Entnahme und jede Abweichung erfasst wird, am besten mit Uhrzeit und Person. Wer erst am Ende des Tages Papierlisten nacherfasst, kann zwar die Menge zählen, aber kaum sagen, wo Zeit verloren geht oder an welchen Lagerplätzen sich Fehler häufen. Ein Vergleich nach Lagerzonen, Artikelgruppen oder Tageszeiten zeigt oft schnell, wo sich ein Umbau lohnt.
Kommissionieren am Handy und am Terminal
Kommissionieren braucht nicht zwingend teure Spezialgeräte. Viele Lager arbeiten heute mit Handys oder Tablets, deren Kamera Barcodes liest, oder mit einfachen Handscannern. Wichtig ist eine Oberfläche, die im Gang funktioniert: große Felder, wenige Eingaben, klare Rückmeldung, ob der Scan gepasst hat.
Wenn die Entnahme direkt am Gerät bestätigt wird, ist der Bestand im System aktuell, sobald die Ware den Lagerplatz verlässt. Das Nacherfassen von Papierlisten fällt weg, und Fehler zeigen sich am Regal statt beim Kunden.
Für den Anfang muss nicht das ganze Lager umgestellt werden. Bewährt hat es sich, mit einer Zone oder einer Artikelgruppe zu beginnen, die Abläufe dort zu prüfen und dann Schritt für Schritt zu erweitern. So lernt das Team die neuen Geräte im Alltag kennen, und Kinderkrankheiten bleiben auf einen kleinen Bereich begrenzt.

Kommissionierung mit XGait abbilden
XGait ist ein Framework für Unternehmenssoftware nach Maß. Daraus entsteht ein ganzes ERP, eine Lagerverwaltung als Speziallösung oder eine Ergänzung zu Ihrem bestehenden System. Eine fertige Kommissionierung von der Stange gibt es nicht. Wir bilden Ihren Ablauf ab, so wie Ihr Lager arbeitet.
Dafür richten wir Aufträge mit Positionen, Lager, Lagerplätze, Lagerbewegungen und Lieferscheine ein. Der Statusmanager führt den Auftrag durch Ihre Schritte. Workflow-Knöpfe im Auftrag starten die Kommissionierung oder melden den Versand. Kommissionierschein, Lieferschein und Etiketten entstehen aus Druckvorlagen als PDF. Am Handy, Tablet oder Terminal wird per Handscanner oder Kamera gescannt. Ein Workflow kann reagieren, sobald eine Eingabe abgeschlossen ist, etwa nach dem zweiten Scan. Was Ihr Ablauf braucht, bauen wir. Was die Plattform noch nicht kann, ergänzen wir.
Ihr Weg zu einer Kommissionierung nach Maß
Wie Ihre Kommissionierung heute läuft und was sich am Handy abbilden lässt, besprechen wir im Erstgespräch. Danach nehmen wir Ihren Ablauf im Lager auf, und Sie erhalten einen Umsetzungsvorschlag mit Festpreis. Wir bauen Ihr System maßgeschneidert, Sie testen mit echten Aufträgen und geben frei.
