Stand: 1. November 2026 · Verantwortlich: Niclas Baldus, Baldux GmbH
Was sind Lagerkennzahlen?
Lagerkennzahlen sind Messgrößen, die Bestand, Bewegung, Kosten und Lieferfähigkeit eines Lagers in Zahlen fassen. Die wichtigsten sind der durchschnittliche Lagerbestand, die Lagerumschlagshäufigkeit, die durchschnittliche Lagerdauer, die Lagerreichweite, der Lagerkostensatz und der Lieferbereitschaftsgrad.
Man spricht auch von Lagerkennziffern. Gemeint ist dasselbe: Sie verdichten viele einzelne Zugänge und Abgänge zu wenigen Werten, an denen sich Entwicklungen ablesen lassen. Eine einzelne Kennzahl sagt dabei wenig. Aussagekräftig wird sie im Vergleich, etwa mit dem Vorjahr, zwischen Artikelgruppen oder mit einem selbst gesetzten Zielwert.
Alle Zahlen in den folgenden Rechenbeispielen sind frei gewählt. Sie zeigen den Rechenweg, nicht typische Werte einer Branche.
Die wichtigsten Lagerkennzahlen im Überblick
Diese Kennzahlen bauen aufeinander auf. Wer den durchschnittlichen Lagerbestand kennt, kann die meisten anderen daraus ableiten.
- ✓Durchschnittlicher Lagerbestand — Wie viel Ware im Mittel eines Zeitraums auf Lager liegt, in Stück oder in Euro.
- ✓Lagerumschlagshäufigkeit — Wie oft der durchschnittliche Bestand in einem Zeitraum verbraucht und ersetzt wird.
- ✓Durchschnittliche Lagerdauer — Wie viele Tage ein Artikel im Mittel im Lager liegt, bevor er abgeht.
- ✓Lagerreichweite — Für wie viele Tage der aktuelle Bestand beim üblichen Verbrauch noch reicht.
- ✓Lagerkostensatz und Lagerzinsen — Was die Lagerhaltung im Verhältnis zum Bestandswert kostet und wie viel Kapital gebunden ist.
- ✓Lieferbereitschaftsgrad — Welcher Anteil der Anforderungen direkt aus dem Lager erfüllt werden konnte.
Durchschnittlichen Lagerbestand berechnen
Der durchschnittliche Lagerbestand ist die Grundlage fast aller Lagerkennzahlen. Die einfachste Formel nimmt den Bestand am Anfang und am Ende eines Zeitraums: Durchschnittlicher Lagerbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2.
Beispiel: Ein Artikel hat am 1. Januar einen Bestand von 400 Stück und am 31. Dezember von 600 Stück. Der durchschnittliche Lagerbestand liegt bei (400 + 600) ÷ 2 = 500 Stück.
Genauer wird die Rechnung mit Monatswerten, weil Schwankungen im Jahr sonst verschwinden: Durchschnittlicher Lagerbestand = (Anfangsbestand + 12 Monatsendbestände) ÷ 13. Bei Saisonware ist diese Form fast immer die bessere Wahl. Wenn Sie in Euro statt in Stück rechnen, bewerten Sie den Bestand zu Einstandspreisen, damit die Zahl zu den Kostenkennzahlen passt.
Lagerumschlagshäufigkeit: Formel und Beispiel
Die Lagerumschlagshäufigkeit, kurz Umschlagshäufigkeit, gibt an, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand in einem Zeitraum vollständig verbraucht und wieder aufgefüllt wird. Die Formel lautet: Umschlagshäufigkeit = Verbrauch im Zeitraum ÷ durchschnittlicher Lagerbestand.
Beispiel: Im Jahr gehen 6.000 Stück des Artikels ab, der durchschnittliche Lagerbestand beträgt 500 Stück. Die Umschlagshäufigkeit liegt bei 6.000 ÷ 500 = 12. Der Bestand dreht sich also zwölfmal im Jahr.
Wertmäßig rechnen Sie mit dem Wareneinsatz zu Einstandspreisen: Umschlagshäufigkeit = Wareneinsatz ÷ durchschnittlicher Lagerbestand in Euro. Beispiel: 300.000 € Wareneinsatz geteilt durch 50.000 € durchschnittlichen Bestand ergibt eine Umschlagshäufigkeit von 6. Wichtig ist, dass Zähler und Nenner gleich bewertet sind. Wer Umsatz zu Verkaufspreisen durch einen Bestand zu Einstandspreisen teilt, rechnet sich den Umschlag schön.
Eine höhere Umschlagshäufigkeit bedeutet, dass weniger Kapital im Lager gebunden ist und Ware seltener veraltet. Sie kann aber auch zu hoch werden. Dann fehlen Puffer, und Fehlmengen nehmen zu.
Durchschnittliche Lagerdauer: Formel und Bedeutung
Die durchschnittliche Lagerdauer zeigt, wie viele Tage ein Artikel im Mittel im Lager liegt. Sie ist der Kehrwert der Umschlagshäufigkeit, umgerechnet in Tage: Durchschnittliche Lagerdauer = 360 ÷ Umschlagshäufigkeit. Manche Unternehmen rechnen mit 365 Tagen. Wichtig ist nur, dass Sie bei einer Variante bleiben.
Beispiel: Bei einer Umschlagshäufigkeit von 12 liegt die durchschnittliche Lagerdauer bei 360 ÷ 12 = 30 Tagen. Bei einer Umschlagshäufigkeit von 6 sind es 60 Tage.
Die Lagerdauer ist anschaulicher als der Umschlag. Dass ein Artikel im Schnitt zwei Monate liegt, versteht jeder im Team. Sie ist auch die Grundlage für den Lagerzinssatz, der zeigt, was das gebundene Kapital kostet.
Lagerreichweite berechnen
Die Lagerreichweite gibt an, wie lange der vorhandene Bestand beim üblichen Verbrauch noch reicht. Die Formel lautet: Lagerreichweite = Bestand ÷ durchschnittlicher Verbrauch je Tag.
Beispiel: Im Lager liegen 450 Stück, im Schnitt gehen 20 Stück je Arbeitstag ab. Die Lagerreichweite beträgt 450 ÷ 20 = 22,5 Arbeitstage. Rechnen Sie den Verbrauch je Woche, erhalten Sie die Reichweite in Wochen.
Anders als Umschlag und Lagerdauer blickt die Reichweite nach vorn. Vergleichen Sie sie mit der Wiederbeschaffungszeit des Artikels. Liegt die Reichweite darunter, kommt neue Ware nicht rechtzeitig. Liegt sie weit darüber, ist der Bestand vermutlich zu hoch. Wann genau nachbestellt werden sollte, zeigt der Meldebestand.
Lagerkosten, Lagerzinsen und Lieferbereitschaftsgrad
Lagerkosten entstehen für Fläche, Personal, Geräte, Versicherung, Schwund und das gebundene Kapital. Die folgenden Kennzahlen machen Kosten und Kapitalbindung greifbar und zeigen, ob der Bestand seinen Zweck erfüllt.
- ✓Lagerkostensatz = Lagerkosten ÷ durchschnittlicher Lagerbestand in Euro × 100. Beispiel: 8.000 € Lagerkosten bei 50.000 € Bestand ergeben 16 Prozent.
- ✓Lagerzinssatz = Jahreszinssatz × durchschnittliche Lagerdauer ÷ 360. Beispiel: 6 Prozent Zins bei 60 Tagen Lagerdauer ergeben 1 Prozent.
- ✓Lagerzinsen = durchschnittlicher Lagerbestand in Euro × Lagerzinssatz. Beispiel: 50.000 € × 1 Prozent ergeben 500 €.
- ✓Lieferbereitschaftsgrad = vollständig aus dem Lager erfüllte Anforderungen ÷ alle Anforderungen × 100. Beispiel: 950 von 1.000 Positionen ergeben 95 Prozent.
- ✓Lagerplatzauslastung = belegte Lagerplätze ÷ vorhandene Lagerplätze × 100. Beispiel: 340 von 400 Plätzen ergeben 85 Prozent.
Lagerkennzahlen richtig deuten
Lagerkennzahlen ziehen oft in entgegengesetzte Richtungen. Ein niedriger Bestand senkt Lagerkosten und erhöht den Umschlag, gefährdet aber die Lieferbereitschaft. Ein hoher Bestand sichert die Lieferfähigkeit, bindet aber Kapital. Gute Steuerung heißt deshalb, die Kennzahlen gemeinsam zu lesen und je Artikelgruppe eigene Ziele zu setzen.
Ein Beispiel zeigt, warum der Blick auf einzelne Gruppen wichtig ist: Ein Lager hat insgesamt eine Umschlagshäufigkeit von 8. Getrennt betrachtet drehen sich die Verbrauchsmaterialien 20-mal im Jahr, eine Gruppe älterer Ersatzteile dagegen nur einmal. Der Gesamtwert sieht ordentlich aus, verdeckt aber, dass in den Ersatzteilen viel Kapital ruht. Sinnvoll ist es deshalb, Artikel nach ihrer Bedeutung zu gruppieren, etwa mit einer ABC-Analyse nach Umsatz oder Verbrauchswert, und je Gruppe eigene Ziele für Umschlag und Lieferbereitschaft festzulegen.
Diese Fehler verzerren Lagerkennzahlen besonders häufig:
- ✓Nur Jahresanfang und Jahresende betrachten, obwohl der Bestand im Jahr stark schwankt.
- ✓Umsatz zu Verkaufspreisen mit einem Bestand zu Einstandspreisen vergleichen.
- ✓Alle Artikel in einen Topf werfen: Schnelldreher verdecken Ladenhüter.
- ✓Buchbestand und tatsächlichen Bestand nicht abgleichen, sodass Kennzahlen auf falschen Mengen beruhen.
- ✓Kennzahlen einmal im Jahr ausrechnen, statt sie laufend zu beobachten.
- ✓Lieferbereitschaft mal nach Aufträgen, mal nach Positionen messen, ohne die Bezugsgröße festzuhalten.
Woher die Zahlen für Lagerkennzahlen kommen
Jede Lagerkennzahl ist nur so gut wie die Bewegungen dahinter. Wer Zugänge, Abgänge, Umlagerungen und Inventurdifferenzen sauber erfasst, kann jede Kennzahl daraus berechnen, für jeden Artikel und jeden Zeitraum. Fehlen Bewegungen oder werden sie nachträglich in einer Liste nachgetragen, stimmen auch die Kennzahlen nicht.
In vielen Unternehmen entstehen Lagerkennzahlen in Excel, einmal im Monat aus Exporten zusammengesetzt. Das funktioniert, kostet aber jedes Mal Zeit und zeigt nur einen vergangenen Stand. Besser ist eine Datenbasis, in der Bestände und Bewegungen ohnehin erfasst werden. Dann entstehen die Kennzahlen dort, wo auch die Daten entstehen.

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Kennzahlen entstehen dabei aus Formelfeldern und Rollups, die Bewegungen summieren, zählen oder mitteln. Reports und Dashboards zeigen sie als Zahl oder als Balken-, Linien- oder Tachodiagramm, mit Drilldown in die Details. Welche Kennzahl wen informiert, legen wir mit Ihnen in der Prozessaufnahme fest. Was Ihr Ablauf braucht, bauen wir. Was die Plattform noch nicht kann, ergänzen wir.
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