Stand: 1. November 2026 · Verantwortlich: Niclas Baldus, Baldux GmbH
Was heißt Prozesse digitalisieren?
Prozesse digitalisieren heißt, einen Arbeitsablauf so in Software abzubilden, dass Informationen, Zuständigkeiten und Schritte nicht mehr auf Papier, in Mails oder in einzelnen Listen liegen, sondern in einem gemeinsamen System. Jeder Beteiligte sieht dort, wo ein Vorgang steht und was als Nächstes zu tun ist.
Ein Beispiel: Heute kommt eine Reklamation per Mail, wird ausgedruckt, in eine Excel-Liste übertragen und per Hauspost an die Qualität gegeben. Digital entsteht beim Eingang ein Vorgang mit Nummer, Frist und Zuständigkeit, der Auftrag ist verknüpft, und der Status zeigt jederzeit, wie weit die Klärung ist.
Ein eingescanntes Formular ist dagegen noch kein digitaler Prozess. Es ist ein Bild von Papier. Digital wird ein Ablauf erst, wenn seine Daten strukturiert erfasst werden und Software damit arbeiten kann.
Digitalisierung und digitale Transformation: der Unterschied
Digitalisierung im Unternehmen bedeutet, bestehende Abläufe mit digitalen Mitteln zu erledigen: Formulare werden zu Eingabemasken, Ordner zu Datensätzen, Laufzettel zu Status. Der Ablauf bleibt im Kern derselbe, er wird schneller und nachvollziehbarer.
Digitale Transformation geht weiter. Sie verändert, wie ein Unternehmen arbeitet oder Geld verdient, etwa wenn ein Hersteller Wartung als Dienstleistung anbietet, weil er die Daten seiner Anlagen kennt. Transformation baut in der Regel auf digitalisierten Prozessen auf. Ohne saubere Daten aus dem Alltag fehlt ihr die Grundlage.
Für die meisten Unternehmen ist deshalb die Digitalisierung von Geschäftsprozessen der erste und wichtigste Schritt.
Welcher Prozess zuerst digitalisiert werden sollte
Fangen Sie nicht mit dem größten Ablauf an, sondern mit dem, bei dem der Nutzen schnell sichtbar wird. Ein erster Prozess, der im Alltag spürbar Arbeit abnimmt, überzeugt das Team mehr als jede Präsentation. Mit dieser Erfahrung fällt der zweite und dritte Prozess deutlich leichter. Diese Fragen helfen bei der Auswahl:
- ✓Wie oft kommt der Ablauf vor? Täglich ist besser als jährlich.
- ✓Wie viele Personen oder Abteilungen sind beteiligt? Jede Übergabe ist eine Stelle, an der heute etwas verloren geht.
- ✓Wie oft wird nachgefragt, gesucht oder doppelt erfasst?
- ✓Was kostet ein Fehler, etwa eine verpasste Frist oder eine falsche Lieferung?
- ✓Ist der Ablauf einigermaßen klar, oder muss er erst geklärt werden?
- ✓Gibt es eine Person, die den Ablauf verantwortet und die Einführung begleitet?
Prozesse digitalisieren in sechs Schritten
Die Digitalisierung eines Prozesses folgt meist demselben Muster. Die Schritte klingen einfach, aber jeder einzelne entscheidet darüber, ob das Team den neuen Ablauf annimmt.
- ✓1. Aufnehmen — Den heutigen Ablauf mit den Menschen erfassen, die ihn täglich ausführen: Schritte, Beteiligte, Informationen, Programme und Ausnahmen. Echte Vorgänge zeigen lassen, nicht nur das Handbuch lesen.
- ✓2. Vereinfachen — Bevor etwas digital wird, Unnötiges streichen. Doppelte Freigaben, Kopien für die Ablage und Felder, die niemand liest, gehören nicht ins neue System.
- ✓3. Abbilden — Aus Vorgängen werden Datensätze, aus Formularfeldern Eingabefelder mit Pflichtangaben, aus Laufzetteln Status, aus Zuständigkeiten Rollen.
- ✓4. Anbinden — Klären, mit welchen Systemen der Ablauf Daten austauscht, etwa Warenwirtschaft, Shop oder Buchhaltung, und vorhandene Daten aus Listen übernehmen.
- ✓5. Testen — Mit echten Fällen prüfen, auch mit Sonderfällen und Fehlern. Die künftigen Nutzer testen mit, nicht nur die Projektleitung.
- ✓6. Starten — Einen klaren Stichtag festlegen, das Team schulen und die alte Liste schließen. Solange beide Wege offen sind, nutzt das Team den gewohnten.
Beispiel: die Reklamation vom Papier ins System
Wie sich ein Ablauf durch die Digitalisierung verändert, zeigt eine typische Reklamation. Der Inhalt der Arbeit bleibt gleich, aber Suchen, Abtippen und Nachfragen fallen weg.
Heute
- Mail ausdrucken
- in Excel übertragen
- Auftrag im Ordner suchen
- per Hauspost an die Qualität
Vereinfacht
- Ein Eingang für alle Reklamationen
- feste Pflichtangaben
- eine zuständige Person je Fall
Im System
- Vorgang mit Nummer und Frist
- Auftrag verknüpft
- Status Neu, In Prüfung, Erledigt
Ergebnis
- Jeder sieht den Stand
- Fristen werden erinnert
- Auswertung ohne Zusammentragen
Weitere Beispiele für digitalisierte Geschäftsprozesse
Gute Kandidaten finden sich in jedem Bereich. Gemeinsam ist ihnen, dass sie häufig vorkommen und mehrere Beteiligte haben.
- ✓Freigaben — Bestellungen, Urlaubsanträge oder Rechnungen gehen nicht mehr per Mail im Kreis. Der Antrag hat einen Status, die berechtigte Person gibt frei, und der Stand ist für alle sichtbar.
- ✓Wareneingang — Das Lager erfasst gelieferte Mengen direkt am Wareneingang, am Tablet oder mit dem Scanner. Differenzen zur Bestellung werden berechnet und gehen mit Status an den Einkauf.
- ✓Serviceeinsatz — Der Bericht entsteht beim Kunden am Handy statt auf dem Durchschlagblock. Zeiten, Material und Fotos sind direkt beim Vorgang, und die Abrechnung muss nichts abtippen.
- ✓Dokumente und Belege — Lieferscheine, Prüfprotokolle und Verträge hängen am Vorgang, zu dem sie gehören, statt in Ordnern. Wer den Vorgang öffnet, findet alle Unterlagen dazu.
Daten, Rechte und Nachvollziehbarkeit
Mit der Digitalisierung liegen mehr Informationen an einer Stelle. Das ist der Nutzen, aber auch eine Verantwortung. Klären Sie deshalb früh:
- ✓Wer darf welche Vorgänge sehen, ändern und löschen, bis hinunter zu einzelnen Feldern wie Preisen oder Personaldaten?
- ✓Welche Angaben sind Pflicht, damit der nächste Schritt arbeiten kann?
- ✓Wie lässt sich später nachvollziehen, wer wann was geändert hat?
- ✓Wo liegen die Daten, und wer kümmert sich um Sicherung und Updates?
- ✓Welche Aufbewahrungspflichten gelten für Ihre Belege? Klären Sie das mit Ihrer Steuerberatung oder Rechtsberatung.
Häufige Fehler bei der Digitalisierung im Unternehmen
Viele Digitalisierungsprojekte scheitern weniger an der Technik als daran, dass der neue Ablauf im Alltag umständlicher wirkt als der alte. Wenn eine Eingabemaske mehr Felder hat als das Papierformular oder Mitarbeitende im Lager erst einen Rechner suchen müssen, kehren sie zum Zettel zurück. Prüfen Sie deshalb jeden Schritt aus Sicht der Person, die ihn täglich ausführt.
Typische Fehler sind:
- ✓Den Papierablauf eins zu eins nachbauen, mit allen Umwegen.
- ✓Zu viel auf einmal: alle Abteilungen gleichzeitig statt eines Prozesses nach dem anderen.
- ✓Die Menschen, die die Arbeit machen, erst zur Schulung einbeziehen.
- ✓Ein eigenes Werkzeug je Abteilung, sodass neue Datensilos entstehen.
- ✓Alte Listen weiterlaufen lassen, weil kein Stichtag festgelegt wurde.
- ✓Ausnahmen übersehen, für die dann wieder Zettel und Nebenlisten entstehen.
Braucht man für die Digitalisierung ein neues ERP?
Nicht unbedingt. Viele Abläufe, die heute auf Papier oder in Listen laufen, liegen neben dem ERP, weil die Standardsoftware sie nicht oder nur umständlich abbildet: Reklamationen, Prüfungen, Freigaben, Serviceeinsätze. Hier reicht oft eine Ergänzung, die über Schnittstellen mit dem bestehenden System Daten austauscht.
Ein neues ERP lohnt sich eher, wenn das bisherige System die Kernabläufe nicht mehr trägt oder die Zahl der Nebenlisten ständig wächst. Mit XGait ist beides möglich: eine einzelne Speziallösung oder eine Ergänzung zu Ihrem ERP ebenso wie ein ganzes ERP, das zu Ihren Abläufen passt.
Prozesse digitalisieren mit XGait
XGait ist ein Framework für Unternehmenssoftware nach Maß. Wir bilden Ihre Abläufe als Objekte, Felder, Status und Workflows ab, konfiguriert, nicht programmiert. Ihr System startet leer und enthält nur, was Ihr Ablauf braucht. Vorlagen, etwa für Adressen, Artikel oder Aufträge, laden wir nur, wo sie passen.
XGait läuft im Browser, auch am Handy und Tablet. Für das Lager gibt es Terminal-Masken mit Scan-Feld. Rollen und Rechte reichen bis auf Objekt, Zeile und Feld. Die Historie hält Änderungen an Datensätzen mit Vorher und Nachher fest. Vorhandene Listen übernehmen wir per Import aus CSV, XLSX oder JSON. Andere Systeme binden wir über die REST-API, Webhooks und Konnektoren an, die Buchhaltung über den DATEV-Export. Betrieben wird Ihr System in einer eigenen Instanz mit eigener Datenbank, gehostet in Deutschland.

Ihr Weg zum digitalen Prozess
Im Erstgespräch sprechen wir über einen Ihrer Prozesse und zeigen, wie ein solcher Ablauf in XGait aussehen kann. Danach erfassen wir Ihre Abläufe gemeinsam, und Sie erhalten einen Umsetzungsvorschlag mit Festpreis. Wir bauen das System auf, Sie testen mit echten Fällen und geben frei. Auf Wunsch schulen wir Ihr Team. Was Ihr Ablauf braucht, bauen wir. Was die Plattform noch nicht kann, ergänzen wir.
